Atelierbesuch bei art space Andromeda
Am Freitag den 29.5.2026 um 19.00 Uhr öffneten die drei Künstlerinnen Masami Hirohata, Maryam Aghalikhaani und Juyoung Paek ihre Türen zu ihren Ateliers in der Schneeberg Straße 33. Viele Interessierte, fachfremde und ebenfalls mit Glas oder Keramik arbeitende gingen durch diese offene Tür. Und betraten ein unbekanntes Universum.
Zunächst begann der sommerliche Abend mit einem netten Plausch mit Getränken und Snacks in dem idyllischen Schneeberg-Hof. Claudia Henkel, die Vorsitzende des Vereins Glut und Gerne, eröffnete den Abend und stellte die drei jungen Frauen vor. Denn obwohl sie bereits seit einigen Jahren dieses Atelier betreiben, sind sie auch vielen in der Szene noch weitgehend unbekannt gewesen. Die Fragen kamen an diesem Abend ausschließlich von den Besuchern. Somit war anfangs überhaupt nicht abzusehen, wohin die Atelierreise führen würde.
Masami, Juyoung und Maryam erzählten zunächst aus ihren spannenden Biografien in Japan, Korea und dem Iran. Sie sprachen von ihren Beweggründen, nach Deutschland zu kommen und schließlich in Höhr-Grenzhausen zu bleiben. Es war aufschlußreich zu hören, daß Deutschland als Standort für KünsterInnen und besonders für Frauen durchaus interessant ist. Die Drei sind trotz gegenteiliger Absicht hier heimisch geworden.
Es war bewegend zu hören, wie diese Frauen mit Migrationshintergrund sich gegenseitig bei der deutschen Bürokratie und bei Ausländerbehördengängen unterstützten, teils gleichzeitig ihre Kinder bekamen. Sie haben eine enge und wichtige Bindung untereinander, die über eine reine Arbeitsgemeinschaft weit hinaus geht.
Danach ging es in die Ateliers. Da die Besucher so zahlreich waren, teilte man sich in 2 Gruppen auf.
Masami Hirohata arbeitet farblich zurückhaltende, hauchzarte Blüten-Stilleben, die sie in ihren Installationen auf ihre japanischen und europäischen Ursprünge hin abklopft. Das Zerbrechliche des Glases beispielsweise setzt sie mit der japanischen Gepflogenheit in Verbindung, im Vergänglichen einen ästhetischen Wert zu sehen, wie beim Kirschblüten Hanami. Sie versucht eine universale künstlerische Sprache zu finden, die in jeder Kultur zu verstehen ist. Besonders die Herren unter den Besuchern interessierten sich sehr für die technische Seite der Herstellung. Und es gibt wohl auch kaum jemanden, der das Material und die Technik so beherrscht, daß die zarten Blütengebilde auch den Temperaturunterschieden bei der Herstellung standhalten.
Das Hauptthema von Juyoung Paek sind ihre Träume und die Skulptur. Ihre Figuren sind immer Abbilder ihrer selbst und ihrer Gefühle, die sie in bestimmten prägnanten Momenten ihres Lebens hatte, besonders als sie in ein fremdes Land kam. Die Gesichtsausdrücke und Gestik sind sehr fein und beinahe theatral ausgearbeitet. Und dennoch bleiben die menschlichen Figuren seltsam fremdartig und rätselhaft. Von einem fremden Stern, ein unergründlicher Traum, ein Märchen? Die sehr kurzen, auf englisch verfassten Gedichte, die sie selbst dazu schreibt, geben den Werken eine traumartige, poetische Dimension. Ein Katalog, den sie während Corona erstellt hat, bietet einen ergreifenden Überblick über ihre bisherigen Werke. Auf dem Alexanderplatz in Höhr-Grenzhausen steht eine Stele mit einer Arbeit von ihr. Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen. Und danach vielleicht gleich ihr Atelier zu besuchen.
Maryam Aghalikhaani teilt sich das Atelier mit Masami Hirohata. Sie kommt eigentlich aus der Keramik. Ein Schubladenschrank beherbergt ihre zahlreichen schalenartigen Raku-Arbeiten. Wir durften die Schubladen aufziehen und jede Schublade war eine überraschende Entdeckung. Aber sie befasst sich momentan auch mit Fragen nach dem Wert des Geldes in den unterschiedlichen politischen Systemen. Im Iran ist die Inflation so hoch, daß Geldscheine als Schmierzettel benutzt und danach weggeworfen werden. Wie kommt es, fragt sie sich, daß sie im Iran mit zwei Arbeitsstellen es nicht schafft eine Wohnung zu finanzieren und in Deutschland reicht ihr dafür eine halbe Stelle. Sie sammelt Geldscheine aus unterschiedlichen Ländern und Inflations-Zeiten. Sie dienen ihr als Rohmaterial für ihre malerischen und grafischen Arbeiten.
Der Abend war eine Reise in unterschiedliche Kulturen und alle drei Künstlerinnen, jede auf ihre Weise, bringen uns ihre Kulturen durch ihre Kunst näher und erzählen von fernen Ländern und künstlerischen Welten. Somit sind wir im Geiste wirklich gereist in das weitest entfernte, mit bloßem Auge noch sichtbare Sternengebilde unseres Sonnensystems, dem Andromedanebel. Der Nebel hat sich gelichtet. Verzaubert von den charmanten, auskunftsfreudigen und selbstbewußten Frauen, ist dieses Sternengebilde nicht mehr so fern und unbekannt. Maryam, Juyoung und Masami sind uns ans Herz gewachsen und wir sind unendlich froh, daß sie Teil der künstlerischen Gemeinschaft in Höhr-Grenzhausen sind. Immer wieder kommt uns der Gedanke, was wir für Schätze in dieser Stadt haben.
Der nächste Schatz wird im August entdeckt. María Elisa Quiaro lädt uns ein, in ihr Studio 3 in den K² Studios, Rheinstraße 41. In Venezuela geboren, wohnt sie seit fast 30 Jahren in Höhr-Grenzhausen. Die multidisziplinäre bildende Künstlerin nutzt die visuelle Dekonstruktion, das Fragment und die Spur als Werkzeuge, um die Realität zu hinterfragen. Ihr Werk versteht sich als ein Dialog zwischen Erinnerung, Abstraktion und Raum, der durch Collage, Enkaustik und Porzellanarbeiten materialisiert wird. Voller Glut und Gerne freuen wir uns schon jetzt darauf.